Tötungsverdacht gegen Krankenpfleger am Klinikum Nürnberg

"Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth" steht auf einem Schild. Foto: Daniel Karmann/Archivbild

Im Dezember 2018 verstarb ein Patient im Klinikum Nürnberg unter Umständen, die ein Tötungsdelikt durch einen Krankenpfleger nahelegen. Auf die Anzeige durch die Angehörigen reagierte die Staatsanwaltschaft Nürnberg, indem sie ein Gutachten erstellen ließ. Obwohl der Gutachter auf die eigentlichen Fragen, die sich aus dem Hergang ergeben, nicht eingegangen war und ungeprüft die Schutzbehauptungen der Beschuldigten übernommen hatte, stellte die Staatsanwaltschaft, mit Verweis auf dieses Gutachen, das Verfahren ein. Daraufhin bemühen sich die Angehörigen, mit Hilfe eines neuen Anwaltes, eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu erreichen. Im Ergebnis konnte jedoch lediglich Akteneinsicht erreicht werden.

Anfang Oktober 2019 wenden sich die Angehörigen außerdem an die Pflegeethik-Initiative Deutschland e.V. Da sich der Verein für die Wahrung der Rechte Pflegebetroffener einsetzt, hat die Vorsitzende aus pflegerisch-ethischer Sicht zum Sachverhalt Stellung genommen. Worum es in diesem Fall konkret geht, können Sie ihrem Schreiben an die Staatsanwaltschaft Nürnberg, vom 06.12.2019, können Sie entnehmen.

Außer einer Eingangsbestätigung gab es keine Reaktion.
Erst nachdem sich die Angehörigen 2021, unter Vorlage der o. g. Stellungnahme der Pflegeethik-Initiative, an den bayerischen Ministerpräsidenten wandten, konnte eine Wiederaufnahme erreicht werden. Nun fand zwar eine Befragung durch die Staatsanwaltschaft statt, jedoch ohne den widersinnigen Schutzbehauptungen des Pflegers auf den Grund zu gehen. Auf entsprechende Hinweise durch die Anwältin der Angehörigen wurde nicht eingegangen. Das Verfahren wurde kurzerhand mangels Beweisen eingestellt.

So bleibt den Angehörigen und unserem Verein keine anderen Möglichkeit, als die Öffentlichkeit über diesen Vorgang zu informieren. Denn der Tötungsverdacht, der hier ungeklärt im Raum steht, erinnert an Niels Högel, der als Intensivpfleger hunderte Patienten töten konnte, bevor er 2019, als „der größte Massenmörder in der deutschen Nachkriegszeit“, verurteilt wurde.  Dass dieser Pfleger so viele Menschen töten konnte, wird neben dem Wegschauen der Klinikmitarbeitern auch den Versäumnissen der Staatsanwaltschaft angelastet. Mehr dazu siehe Beitrag: Gewalt in der Pflege – unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit.

Sollte dieser Pfleger den Patienten Herrn L. tatsächlich getötet (erlöst) haben, dürfte ihn die Einstellung des Verfahrens und die Rückendeckung seitens der Klinik ermutigen, auch bei anderen Patienten in ähnlicher Lage „den Todesengel“ zu spielen. Angehörige, Pflegemitarbeiter oder Ärzte, die merkwürdiges Verhalten eines Pflegers im Zusammenhang mit dem unerwarteten Tod eines Patienten erlebt haben, sollten sich damit an die Pflegeethik-Initiative wenden. Vielleicht kann der Fall durch Vorlage weiterer Verdachtsmomente erneut aufgerollt werden.

Darüber hinaus suchen die Angehörigen des Herrn L. nach einer Anwältin oder einem Anwalt, die/der in der Lage und bereit wäre weitere Rechtsschritte zu gehen. Die Familie kann mit der grauenhaften Erfahrung und der Haltung des „Vertuschens“ nicht leben und möchte jedes rechtliche Mittel nutzen. Mord verjährt nicht. Und sollte besagter Pfleger tatsächlich dem Wahn verfallen sein, Patienten, deren Leben für ihn keinen Wert mehr darstellt, umzubringen, wird er früher oder später entdeckt werden.

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