Wenn pflegebedürftige alte Menschen zur Ware werden…


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TV-Tipp: 10.03.2014, ARD, die story
Pflegeheim Monopoly: Wenn pflegebedürftige alte Menschen zur Ware werden.
Erneut greifen Sven Ihden und Fabian Sabo, in diesem wichtigen Beitrag die Machenschaften krimineller Investoren auf.  Schon 2012 haben sie in einem ersten Beitrag auf die fehlende Aufsicht und eine Rechtlage hingewiesen, die solchen Verbrechern Tür und Tor öffnet.  Die Politik hat immer noch keinen Riegel vorgeschoben und fördert den Bau weiterer Heime, obschon der Personalmarkt für das bestehende Angebot nicht ausreicht.

 

Im März 2013 hat  RA Jürgen Crummenerl  zum Thema diesen Beitrag verfasst:

Fast kommt man in Versuchung, es Monopoly nennen, das Geschäft mit der Seniorenpflege in den Heimen.

„Investieren Sie in ein Pflegeheim, 7,25 Prozent Rendite pro Jahr, Einnahmen staatlich garantiert.“ Ein Satz aus einem Werbeprospekt eines Immobilienfonds und er wirkt wie ein Versprechen aus den Zeiten vor der Finanzkrise. Wie kann man mit Altenheimen so viel Geld erwirtschaften? Wer sind die Gewinner und wer die Verlierer? Geht das alles am Schluss nicht auf Kosten der Alten, der Kranken und des Pflegepersonals? Demente Senioren als Kapitalanlage?

Der Bedarf ist gigantisch, die Gewinnmöglichkeiten offenbar auch (aus neopresse 8.3.2013)

Dies ist offenbar ein durchaus übliches Geschäftsmodell. Anleger sollen verdienen an der Pflege alter Menschen.

Als 2005 die Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen formuliert wurde, war das Interesse der Autoren, einen allgemeinverbindlichen Qualitätsmaßstab für die Pflege festzulegen.

Es wurde wohl kaum daran gedacht, wie man Pflegeheime mit möglichst hohen Renditen betreiben kann.

Denn in der Präambel heißt es:

Jeder Mensch hat uneingeschränkten Anspruch auf Respektierung seiner Würde und Einzigartigkeit…“

Und es erging ein Appell an alle Menschen, die im Rahmen der Pflege arbeiten sowie auch an  alle Institutionen und Einrichtungen der Pflege- und Pflegefinanzierung, ihr Handeln an der Charta auszurichten, am Schutz der Menschenwürde.

Und seitdem?

Die Charta ist weitgehend in Vergessenheit geraten, das Wort „Pflegenotstand“  ist in aller Munde.

Der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus:

…mir treibt es da manchmal die Schweißperlen auf die Stirn, wenn ich Politiker höre, wir warnen vor einem drohenden Fachkräftemangel und vor einem drohenden Pflegenotstand. – Nein, er ist existent…“

Was heißt „Pflegenotstand“ ?

  • 42 Prozent der Menschen in Pflegeheimen leben unter freiheitsentziehenden Maßnahmen – Pflegebedürftige werden oft mit Bändern am Bett gefesselt, so Eugen Brysch von der Deutschen Hospiz Stiftung
  • Etwa jeder dritte Demenzkranke bekommt Neuroleptika zur Ruhigstellung – so der neueste Arzneimittelbericht der Barmer.
  • Laut DAK Gesundheitsreport 2012 gehören die Pflegeberufe zu den Branchen mit den höchsten Krankenständen, steigende Ausfallzeiten durch psychische Erkrankungen sowie Muskel- und Skeletterkrankungen – Folgen chronischer Überbelastung des Personals

Zu wenig Personal – und wie sind die Prognosen?

Bis 2030 könnte die Zahl der pflegebedürftigen Menschen von heute 2,34 Mio auf 3,4 Mio steigen – und damit würde auch die Zahl der Demenzkranken steigen von heute 1,2, Mio auf ca 1,7 Mio – so in der Analyse des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge. Wobei heute ca 30% vollstationär in Pflegeheimen versorgt werden, ca 1Mio zu hause allein durch Angehörige,  ca 550000 zuhause mit Unterstützung durch ambulante Pflegedienste.

Nun wird behauptet, von 1999 bis 2011 habe das Personal in der ambulanten- und stationären Pflege– heute ca 950.000 Menschen – um 53 % zugenommen (Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes).

In Wahrheit konzentriert sich der Personalzuwachs fast ausschließlich auf die Teilzeitbeschäftigung, während sich die Zahl der Vollbeschäftigten kaum erhöht hat:

2011: 64 % in Teilzeit, davon 13 % in Minijobs.

Die aufreibenden Arbeits-Bedingungen und die schlechte Bezahlung haben dazu geführt, dass immer weniger Menschen bereit sind, diesen Beruf zu ergreifen –  9.200 offene Stellen stehen 3.500 arbeitslos gemeldete Altenpfleger/innen gegenüber. Bereits 2005 fehlten 39.000 ausgebildete Pflegevollkräfte. Und der Personalmangel wird sich weiter verschärfen  (Bundesinstitut für Berufsbildung).

Da kommen dann skurile Ideen auf:

NRW-Justizminister Kutschaty in der Welt am Sonntag vom  1.7.2012:

Wer seine Geldstrafe nicht zahlt, soll vor allem „ im gärtnerischen Bereich und in der Pflege“ eingesetzt werden.

Die Pflege also zum Tummelplatz für Straftäter???

Was muss geschehen:

  • Die Arbeitsbedingungen müssen so verbessert werden, dass eine humane an der Würde der Menschen orientierte Pflege möglich ist.
  • Das bedeutet z.B., dass der „Pflegeschlüssel“ – d.h. wie viele Personen muss eine Pflegekraft versorgen drastisch verbessert wird – von derzeit durchschnittlich 12,5 auf höchstens 8 im Tages- und von oft 60 auf höchstens 30  – als erste Schritte (siehe hierzu Gutachten vom psv)
  • Die Bezahlung muss so verbessert werden, dass sie ausreicht, um davon leben zu können. Auch der eingeführte Mindestlohn (Ost jetzt 7,75 Euro, West jetzt 8,75 Euro) reicht nicht aus, um eine Familie zu ernähren, geschweige denn die wachsende Zahl von Minijobs – die Explosion des Niedriglohnsektors– eine besondere Errungenschaft der Rot-GRÜNEN Regierung nach 1998 – gern fortgesetzt von den Nachfolgern – führt zu immer mehr Zusatzleitungen durch die Arbeits-Agentur
  • Die häusliche Pflege muss finanzierbar sein – es ist ein Armutszeugnis, dass z.B. Polinnen aus finanziellen Erwägungen eingestellt werden müssen
  • Gleichzeitig ist es eine gesellschaftliche Aufgabe, bei den sich verändernden Familienstrukturen – immer mehr Single-Haushalte – sowohl die Bedingungen in den Pflegeheimen zu verbessern als auch alternative Nachbarschafts- und Quartierprojekte zu fördern.

Dies sind nur einige Verbesserungsvorschläge. Die kosten Geld.  Da wird gerne behauptet, es ist ja kein Geld da. Aber erinnern wir uns an die Hunderte von Milliarden, die an die Banken geflossen sind, weil die sich verspekuliert haben und erinnern wir uns daran, dass es in Deutschland ein Privatvermögen von unvorstellbaren 7,5 BILLIONEN Euro gibt, und 10% der Bevölkerung davon allein fast 5 BILLIONEN besitzt. Also Geld ist genug da.

Jürgen Crummenerl

1 Kommentar

  1. Moin Moin

    Eigentlich hat es die Pflege doch sehr gut, denn das erforderliche Geld ist in Überfluss vorhandem, wir.(die Gesellschaft, müssen es nur sinnvoll einsetzen)

    Beispiele: gerne
    1. Subventionen:
    hier werden die gemeinnützigen oder kirchlichen Einrichtungen, immer noch in einer Weise beglückt, die für mich schon unerträglich ist.
    Oder mit welchen Recht, muß ich die Bischöfe mit jeweils 100 000€ pro Jahr mit meinen Steuergeldern bezahlen.??
    2. Aktionärswesen
    Es ist falsch, das der Staat sich aus der Versorgung, seiner Bürger zurückzieht u. das Feld den Pflegegiganten überläst, die versprechen einen Gewinn von 10-13%
    3.Dokumentation
    Sie verschlingt Milliarden, sie verschlingt teilweise 20% der gesamten Arbeitszeit,leider bringt sie keinerlei Vorteile für den Kunden.
    4. MDK u. Zertifizierung
    Alle wissen es, dass die hinterlegten Leistungen in einer Nachmittagsschicht unmöglich von 2-3 Mitarbeitern erbracht werden können, aber nur was in der Doku erscheint ist Qualität. ( eine verrückte Welt)
    5. Beatmungspatienten werden angeblich verkauft,Pflegeleistungen erschlichen, Gehälter erreichen das Niveau der Unmenschlichkeit, aber es wird gesellschaftlich wenig geächtet.

    Warum können wir nicht in den Topf greifen, uns mit dem Geld bedienen.?
    Sie sitzen alle an einem Tisch, haben sich mit Posten in den Aufsichtsräten so vernetzt, das einer dem anderen nicht mehr weh tun darf, weil ansonsten seine eigene gute Position verloren geht, weil sich jeder selbst der nächste ist.

    Maximale Rendite ja, dafür kann Oma ruhig mal ein paar Wochen mit Schmerzen, für den finanziellen Ausgleich sorgen, Alte u. Demente haben keine Schmerzen zu haben, ja sie müssen vor einer drohenden Sucht bewahrt werden.
    Armes Deutschland

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