Wo Politik die Augen vor der Wirklichkeit nicht verschließt, besteht Hoffnung.

Liebe Leserin, lieber Leser

In diesem Jahr gab es einige Anlässe das Glas zu erheben und Glückwunsch zu sagen. Angefangen mit der frohen Botschaft im Januar, als die bayerische Gesundheits- und Pflegeministerin, Melanie Huml, mit der Verkündigung überraschte, einen Mindestpersonalschlüssel einzuführen. Zwar noch nur für den Nachtdienst in Heimen und mit Hintertürchen, aber dennoch übersteigt das unsere bisherigen Erfahrungen mit der Reaktion von Politik auf die Notleidenden in der Pflege.

Man sollte meinen, in einer christlich geprägten, reichen Nation wie Deutschland sei es selbstverständlich, sich so um pflegebedürftige Mitmenschen zu kümmern, wie jeder das für sich selbst auch wünschen würde. Niemand von uns möchte ruhig gestellt und fixiert werden. Niemand möchte der Willkür anderer ausgeliefert sein. Dennoch geht kein Schrei der Empörung durchs Land, obschon seit Jahrzehnten über ebensolche Praxis berichtet wird. Warum werden Meldungen von den Gefahren, denen hunderttausende alte Mitbürger Nacht für Nacht in deutschen Heimen ausgesetzt sind, stillschweigend zur Kenntnis genommen? Die Bundesbürger haben sich daran gewöhnt. Das Thema wird verdrängt. „Oh nein, nicht schon wieder diese grässlichen Bilder von pflegebedürftigen alten Leuten. So was will doch keiner sehen.“, mögen sich Fernsehzuschauer denken.

Stattdessen bringen „Tatort“ und eine Vielzahl an Krimis Quote. Vermutlich hängt das große Interesse an Kriminalgeschichten damit zusammen, dass der Zuschauer weiß, es handelt sich um konstruierte Gräueltaten, bei denen am Ende die Täter meistens gefasst werden. Hingegen sind Straftatbestände gegenüber Pflegebedürftigen „nicht von öffentlichem Interesse“: Nachzulesen im Beschluss des Staatsanwaltes, die Anzeige der Ingrid Brill nicht zu verfolgen.

Jedoch gab es 2015 auch in dieser Hinsicht einen Lichtblick. Wie bereits im letzten Rundbrief erwähnt reagierte die Justiz vorbildlich, in dem vom Pflege-SHV zur Anzeige gebrachte Fall des „qualvollen Sterbens der Anna Pletz“. Während der Zeugenvernehmungen stieß der Hauptkommissar auf Gewaltdelikte sowie einen Vorfall von qualvollem Erstickungstod während des Nachtdienstes einer bestimmten Pflegekraft, deren Aufklärung nun ebenfalls betrieben wird.

„10 Jahre Einsatz für menschliche Pflege“, auch dies ein Anlass, den wir als kleinen Etappensieg sehen können. Schauen Sie in diesem Video, wer und was den Pflege-Selbsthilfeverband ausmacht:

https://www.youtube.com/watch?v=sAU1YqEsWBs

Auch für Claus Fussek gab es Grund zu feiern. Das Foto zeigt ihn mit der Ministerin Huml, nachdem sie ihm vor wenigen Tagen die „Gesundheits- und Pflegemedaille“ des Landes überreicht hatte. In ihrer Laudatio erklärte sie: „Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es ist wichtig, die Öffentlichkeit verstärkt auf die Situation behinderter und pflegebedürftiger Menschen aufmerksam zu machen. Dafür setzt sich Claus Fussek mit unermüdlichem Einsatz seit Jahrzehnten ein.“ Die Ministerin fügte hinzu: „Auch mir liegt das Thema Pflege sehr am Herzen. Deshalb habe ich für Verbesserungsvorschläge immer ein offenes Ohr. Das würdige Altern darf kein glücklicher Zufall, sondern muss Normalzustand sein. Es liegt in unser aller Verantwortung, Missstände zu beseitigen.“ Das zigtausende Heimbewohner/-innen Bayerns in diesem Jahr zu Weihnachten, Neujahr und darüber hinaus weniger lange auf Hilfe in der Nacht warten müssen, verdanken sie nicht zuletzt Claus Fussek.

Alles noch nichts Großes, was wir erreichen konnten. Aber besser man kommt mit kleinen Schritten am Ende dorthin, wo man hinwollte, als mit großen Schritten in die falsche Richtung zu laufen.

In diesem Sinne wollen wir nach vorne schauen, uns auf den nächsten Schritt konzentrieren.

Für dieses Jahr verabschiede ich mich, mit einem HERZLICHEN DANK an alle, die dazu beigetragen haben, dass wir es bis hierhin geschafft haben.

Für das kommende Jahr wünsche ich sicheres Geleit durch Höhen und Tiefen, auf dass jeder von uns am Ende das Glas heben und zufrieden zurückblicken kann.  

Gesegnete Weihnachten!

Adelheid von Stösser                                       22.Dezember 2015

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Nachtrag März 2016:

Gesundheitsausschuss: Der Patientenbeauftragte der Staatsregierung, Hermann Imhof (CSU), stellt seinen ersten Tätigkeitsbericht vor. In diesem bekräftigt er die Notwendigkeit eines insgesamt höheren Personalschlüssels. Bayern ist pflegepolitisch somit weiterhin Vorreiter.

1 Kommentar

  1. Winzige Erfolge, gemessen an der Dringlichkeit eine schändliche Bilanz der Politiker. Auch in Baden-Württemberg wurde im Juli 2015 von Fr. Altpeter ein neuer Entwurf der Verordnungen des Sozialministeriums über personelle Anforderungen für stationäre Einrichtungen (PErsVO)erstellt.
    Abgesehen davon, dass hier ebenfalls mindestens eine Pflegefachkraft im Nachtdienst für 40 Bewohner tätig sein wird, wurde die Mindestpflegefachkraftquote auf 40% in Heimen gesenkt. Mit anderen Fachkräfte (z.B. Heilerziehungspfleger, Sozialarbeiter,…)soll die Mindestquote von insgesamt 50% Fachkräften wieder erreicht werden.
    Weder die Arbeitsbedingungen, noch die Pflegequalität werden damit besser! Offen ist, wann die Ratifizierung des Gesetzes folgt?!…

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