Pflegewissenschaftler sieht keinen Klagebedarf

Nach Klaus Wingenfeld vom Institut für Pflegewissenschaft in Bielefeld, entbehrt die vom VdK angestrebte Verfassungsklage jeder Grundlage.  Denn nach seiner  Ansicht arbeiten die meisten Heime ordentlich.  Das skandalisieren einzelner Negativfälle sei fatal und verzerre die Realität.  Lesen Sie hier sein Interview in der Badischen-Zeitung vom 23.07.2014.
Diese  Einschätzung aus dem Munde eines namhaften Pflegewissenschaftlers, dürfte Wasser auf die Mühlen der  Regierenden  sein.  Solchen Gefälligkeitsäußerungen sind die besten Empfehlungsschreiben für Forschungsaufträge.  Oder sollte dieser Experte tatsächlich überzeugt sein, dass die Pflege in Deutschland viel besser ist als ihr Ruf?   Herr Wingenfeld sieht jedenfalls keinen  Bedarf an grundlegenden Reformen in der Pflege.  Zwar bestreitet er nicht, dass der  Personalschlüssel viel zu gering ist, auch erwähnt er  die fehlende Fachlichkeit von Hilfskräften, aber dass diese ungenügenden Rahmenbedingungen zu ungenügenden Pflegeergebnissen in der Summe führen, diesen Rückschluss zieht er nicht.   Dabei müsste Klaus Wingenfeld es besser wissen als andere.  Man erinnere sich an das Referenz-Modell in NRW , eine von ihm geleitete Untersuchung zum tatsächlichen Pflegebedarf, die zu dem Ergebnis kam, dass der Stellenschlüssel deutlich angehoben werden müsste, um die versprochene Pflegequalität gewährleisten zu können.  Eine wissenschaftliche Arbeit die ihm den Doktortitel einbrachte, den Pflegeheimen jedoch keine einzige Stelle mehr. Denn die Arbeit wurde stillschweigend abgeheftet.  Eine derartige Anhebung der Personalkosten, kam nicht in Frage. Damals nicht und bis heute nicht.

Und nun stellt sich ausgerechnet der Geschäftsführer eines pflegewissenschaftlichen Institutes hin, und behauptet, dass die Pflege in unseren Heimen ordentlich sei.  Dies würde schließlich der MDK Bericht und  die Pflegenoten bestätigen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen – gebe es nichts zu beanstanden.  Das ist schon ein echter Hammer.

Sieht dieser Pflegeexperte (?)  nicht,  wie sich immer mehr  betroffene Bürger, Kolleginnen und Kollegen in  Protestaktionen zusammenfinden  um der Öffentlichkeit zu demonstrieren, dass die Pflege am Boden liegt, dass das Limit erreicht ist?  Hat er nicht mitbekommen, wie sich immer mehr Pflegekräfte, Angehörige und Betroffene aus der Deckung wagen?  Mir scheint, dieser Mann weiß nicht wovon er spricht oder er will es nicht wissen.  Da macht sich wohl doch bemerkbar, dass er selbst nicht vom Fach ist, keine Pflegeausbildung oder -praxis hat sondern bestenfalls eine abstrakte Vorstellung von den Zwängen, unter denen pflegende stehen.

Sieht dieser Wissenschaftler (?)  nicht, “ dass die leidigen MDK-Noten alle anspornen, möglichst gut da zu stehen, worüber aber die eigentlich dramatische Lage vertuscht wird. Das ist schon ein perfides System. Und wenn dann jemand aufsteht, der das kritisiert, wird der gleich als „Verräter“ beschimpft, weil er den „armen“ Mitarbeitern auch noch das letzte Quentchen an Illusionen raubt, doch gute Arbeit zu machen. Sicher – die Pflegenden bemühen sich redlich – aber umso mehr sie sich bemühen, umso mehr schaden sie sich eigentlich, weil hierdurch ja die schlechte Lage herunter gespielt wird. Das ist wie mit dem Hamster im Laufrad: je schneller er rennt, umso schneller dreht sich das Rad!“, kommentiert Andreas Bik, Geschäftsführer einer Einrichtung  in Essen, die an dem o.g. Referenz-Modell teilgenommen hat.

Die Pflegenden an der Basis, die  jeden Tag ans Limit gehen und sich  abstrampeln, um die immer schwierigere Lage irgendwie zu kompensieren, müssen sich verhöhnt fühlen, wenn einer ihrer „geistigen Führer“ (Pflegewissenschaft =Kopf der Pflege) zum besten gibt, dass alles im gründen Bereich sei.  Ich sehe darin ein weiteres Beweisstück für  die große Distanz  zwischen Theorie und Praxis.  Zwischen der Wahrnehmung dieses Wissenschaftlers und den Betroffenen an der Pflegebasis liegen Welten. Jemand  der solche Schönfärberei betreibt, sollte einige Nächte im Nachtdienst mitarbeiten, und zwar in Heimen mit der durchschnittlich üblichen Besetzung von 1: 50.


 

Lesen Sie außerdem die Ausführungen von Klaus Wingenfeld auf die Frage: „Ist die Qualität der Heimversorgung wirklich so schlecht?“,  in der Maiausgabe der Zeitschrift des Deutschen Vereins:  Replik Wingenfeld Mai2014.

Vorausgegangen war der Beitrag von Susanne Moritz in der Märzausgabe „Staatliche Schutzpflichten gegenüber pflegebedürftigen Menschen“:  Moritz_DV_03-14

Werner Kollmitz hat weiteres zu den Forschungsarbeiten dieses Pflegewissenschaftlers recherchiert und als Leserbrief veröffentlicht.

 

 

16 Kommentare zu Pflegewissenschaftler sieht keinen Klagebedarf

  1. Andreas Bik // 25. Juli 2014 um 15:23 // Antworten

    Herr Wingenfeld kritisiert ja das Gutachten für die Verfassungsbeschwerde als unwissenschaftlich, da sich dieses u. a. auf Medienberichte stütze. Dazu muss ich sagen: Welche andere Chance hat man denn in der heutigen Situation, wo sämtliche wissenschaftlichen Studien immer dazu gemacht werden, zu beweisen, dass alles in der Pflege in Ordnung ist??? Hierbei wird den erhobenen Daten eine Objektivität unterstellt, die bei strenger Betrachtung in Zweifel zu ziehen ist, weil nur das mit dem Blick einer Scheuklappe untersucht wird, was im Interesse der Untersuchung zielführend ist. Und wenn so sämtliche Studien laufen, dann hat man mit einer Gegenstudie m. E. praktisch nur die Chance, wenn man sich auch einmal die kritischen Stellen anschaut und nicht davor die Augen schließt. Vielleicht sollte einmal jemand die sicher sehr umfänglichen Unterlagen von Claus Fussek zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Arbeit machen? Ich bin mir sicher, das Ergebnis wäre ein völlig anderes als die sonst gewohnten Veröffentlichungen.

  2. Was wohl Herr Wingenfeld im Gegenzug für seine untertriebene, schöngefärbte Darstellung der Situation bekommen mag ? Oder ist er ganz einfach ein „Schreibtischtäter“ der gar nicht weiß, wovon er eigentlich spricht ?

  3. Peter Weist // 27. Juli 2014 um 17:21 // Antworten

    Die Aussagen des Herrn Wingenfeld sind Standard für Pflegeexperten. Sie haben Recht, diese Aussagen bringen Folgeaufträge.Es geht nur monitär zu. Zum Anderen wird eine Krähe keiner Anderen ein Auge aushacken. Zum Referenz-Modell: es ist von gestern. So sich der geneigte Leser damit auseinander setzt wird er aktelle Politiker finden die heute in Amt und Würden stehen.
    Als dieses erstellt wurde hörte man hier in OWL eine Betriebsleitung: Wir brauchen mehr Pflegepersonal. In den letzten Tagen las ich von ebendieser: Wir brauchen Pflegepersonal mit Abitur! Das erinnert mich an die 70er und 80er Jahre, als viele Abirurienten eingestellt wurden. Es gab wenig Pflegepersonal, die Abiturienten arbeiteten bis zu ihrem Studium und verschwanden dann.
    Noch eines zur Patientenzufriedenheit: Wer auch immer, in welcher Einrichtung auch immer wird eingestehen: Ich fühle mich unterversorgt. Aus Angst vor Repressalien.

  4. Natürlich hat Herr Wingenfeld recht.

    Und die Tausenden Menschen unrecht, die sich seit Oktober 2013 einmal im Monat, selbst bei Schnee und Regen auf den Boden legen? – Die Aktionen von „Pflege am Boden“ setzen ins Bild, was sich in ganz Deutschland in der Pflege abspielt.

    Nur von meiner Station für Neurologie/ Frührehabilitation in einem Akut-Krankenhaus im Ruhrgebiet sind VIER KollegInnen im Langzeit-Burn-Out. Drei davon kehren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in den Beruf zurück! – Kürzlich musste selbst ein Stationsarzt pflegerische Tätigkeiten übernehmen, damit alle Patienten unbeschadet das Schichtende erreichen. – Solche Beispiele kenne ich mehrere. – Einzelfälle?

    Dennoch hat Herr Wingenfeld recht!
    – Zur Zeit protestieren nicht einmal 0,5% der Pflegenden öffentlich gegen die Gefährlichkeit und Unwürdigkeit der Arbeitsbedingungen „an der Bettkante“.
    Aktionsbündnisse gibt es viele. Durch die schweigende Mehrheit entsteht jedoch der Eindruck, dass die protestierende Minderheit im Irrtum sei. – Und das ist ein gefährlicher Trugschluss.

  5. Regina Dettenrieder // 28. Juli 2014 um 22:44 // Antworten

    Beim Lesen dieses Interviews will sich eine lähmende Leere breitmachen. Keine Lust mehr auf Pflegepolitik, keine Lust auf Aussagen von Wissenschaftlern, deren Beweggründe für derartige Aussagen nur mit Fragezeichen versehen werden können.
    Trotz alledem – die pflegebedürftigen alten Menschen brauchen unsere Augen und unsere Stimme. Die Realität lässt sich nicht schönreden. Wir müssen etwas tun, egal ob Herr oder Frau … Handlungsbedarf erkennt oder nicht.

    • Peter Weist // 29. Juli 2014 um 13:58 // Antworten

      Sehr geehrte Frau Dettenrieder,
      bei derartigen Interviews kann erst einmal nur Frust aufkommen. Ich sehe hinter allen Sätzen, als auch Halbsätzen, Ihres Beitrages, ein permantes Fragezeichen. Daher finde ich ein Handeln unverzichtbar. Natürlich brauchen die zu pflegenden Personen unsere Hilfe! Gerade darum würde ich eine humane Lösung vorziehen. Es erscheint mir aber nicht machbar, da sich die Fronten verhärten. Damit meine ich die Arbeitgeber einerseits, als auch die Arbeitnehmer. Die Politik steht scheinbar außen vor, da sie mit Lobbyisten durchsetzt ist.
      Wenn ich dem Pflege-Wiki glauben darf, sind Pflegepersonen so gut wie nicht an Politik interessiert. Schade!

  6. Alle sollen sich getäuscht haben ? Der VdK, die Pflegekräfte – – (welche durch „Pflege am Boden“ in ihrer kostbaren Freizeit auf die schon längst unhaltbaren Zustände aufmerksam machen) — Frau Dr. jur. Susanne Moritz, sowie das Deutsche Institut für Menschenrechte usw…..???
    Artikel aus der “zm, Nr.113B, 1.7.2014, (831)”
    MENSCHENWÜRDIGE ZUSTÄNDE HERSTELLEN Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat an die Bundesregierung appelliert, “menschen -würdige Zustände für ältere Menschen in der Pflege zu gewährleisten.“ Demnach erfahren Pflegebedürftige in Deutschland nach wie vor auch Gewalt und Misshandlungen, unzulässige freiheitsentziehende Maßnahmen, und massive Einschränkungen der Autonomie. “Die Bundesregierung muss ihre Anstrengungen verstärken, um menschenwürdige Zustände für ältere Menschenin der Pflege zu gewährleisten”, fordert Beate Rudolf, Direktorin des Instituts. Wichtige Schritte seien etwa die Einrichtung wirkungsvoller Kontrollen und flächendeckender barierrefreier Beschwerdestellen. Zudem müssten die Personalschlüssel überprüft und die Ausbildung der Pflegenden verbessert werden. Sie weist darauf hin, dass seit 2001 Menschenrechtsgremien der Vereinten Nationen die Deutsche Regierung regelmäßig auffordern, unverzüglich Schritte zur Verbesserung der Lage ältere Menschen in Pflegeheimen zu unternehmen und die notwendigen Mittel zur Ausbildung von Pflegepersonal bereitzustellen. Zudem sollten Pflegeheime häufiger und gründlicher kontrolliert werden und Beschwerdestellen flächendeckend eingerichtet werden.
    Meine Hoffnung :
    Erfreulicherweise werden es immer mehr Menschen, die sich für eine menschenwürdige Pflege engagieren und denen sich hoffentlich noch viele andere anschließen werden.
    Ihnen allen sei Dank für Ihren Einsatz und Ihr Durchhaltevermögen! Auf dass sie weiterhin die Kraft haben mögen, am Besten alle gemeinsam und mit vielen neuen Mitstreitern, für eine menschenwürdige Pflege zu kämpfen !

  7. Armin Rieger // 29. Juli 2014 um 14:45 // Antworten

    Zunächst stellt man verwundert fest, dass ein angesehener Pflegewissenschaftler solch ein realitätsfremdes Interview gibt. Wer aber weiß, dass Herr Wingenfeld seine Aufträge genau von den Organisationen bekommt, die eine Verfassungsbeschwerde vermeiden wollen, da sie befürchten, dass die Selbstbedienungsmentalität dann ein Ende haben könnte, bzw. der Staat der lieber Lobbyarbeit leistet, als sich um menschenwürdige Pflege zu kümmern, der wundert sich nicht mehr. Wie sagt man so schön: „Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.“
    Ich empfehle Herrn Wingenfeld die NRW-Studie, die er maßgeblich mit erarbeitet hat, nochmals zu lesen. Da kommt er zu einem ganz anderen Ergebnis. Ebenso in seiner Doktorarbeit.
    Weiterer Kommentar erübrigt sich wohl.

  8. Herr Wingenfeld vergisst zu erwähnen, dass es pflegewissenschaftliche Arbeiten gibt, die sich mit der Fundierung der Noten des MDK beschäftigen. Vielfach beklagt wird darin, dass die verwendeten Fragekataloge nicht validiert sind. Das heißt, die Aussagekraft der erhaltenen Noten ist gering, teilweise fragwürdig.
    Messergebnisse sind nur so gut wie die Qualität der verwendeten Messinstrumente…
    (=Fragebögen).

  9. Barbara Riethmüller // 31. Juli 2014 um 23:49 // Antworten

    Mir fehlen die Worte!
    Ich habe seine Studie zum Pflegebedarf gelesen und als ich sein Interview in der Zeitung las, dachte ich: Ist das derselbe?
    ICH habe die DISSERTATION (preisgekrönt!) von Susanne Moritz gelesen und für socialnet ausführlich rezensiert: http://www.socialnet.de/rezensionen/16184.php. – Herr DR. Wingenfeld offenbar nicht! Er besitzt nicht einmal den Anstand von einer Dissertation zu sprechen, sondern spricht stattdessen einmal von Gutachten und meistens von Aufsatz. Was sagt uns das?

    EIN Beispiel:
    Mit dieser Frage in einer Gruppe – „Pflege Aktivisten“ – auf facebook habe ich mich z. B. gestern beschäftigt:
    „Hallo. Ich mache eine Ausbildung zur Pflegeassistentin. Ich kenne die Situation in der Pflege. Aber jetzt wende ich mich als hilflose Angehörige an euch. Also. Meine Großeltern leben seid einem Jahr im betreuten Wohnen. Meine Oma ist an Demenz erkrankt und wird mit diversen Medikamenten, unter anderem Risperidol und Memantin ( gegen Demenz, was nicht wirkt)behandelt. Mein Vater ist der Betreuer. Meine Oma schläft den ganzen Tag und zerfällt immer mehr, was ich auf die Medikamente zurückführe. Die Pflegekräfte behaupten, Oma sei aggressiv. Das stimmt aber wirklich nicht!!!! Mein Vater hat den Neurologen gebeten die Medikamente ausschleichend abzusetzen. Das will der Neurologe auf anraten der Pflegekräfte nicht machen. Es werden die Pflegeberichte umgemodelt, um meine Oma als aggressiv hinstellen zu können. Was kann ich, bzw. mein Vater dagegen tun!!!! Meiner Oma geht es damit wirklich sehr schlecht!!!!“ Die Kommentare dazu erreichen seit gestern Abend (30.7.2014) die gefühlte Anzahl 500.
    ERSCHRECKEND viele dazu kommen von beruflich Pflegenden, die eine TOTALE Unkenntnis der rechtlichen Zusammenhänge zeigen, allenfalls noch ausreichend bis mangelhaft! Von dem Neurologen will ich erst gar nicht anfangen! Guy Hofmann, der hier auch kommentiert, gehört auch zu dieser facebook Gruppe. Er kann das hier sicher bestätigen! https://www.facebook.com/groups/pflegeaktivisten/permalink/889387824421847/.

  10. Walter Mette // 4. August 2014 um 19:49 // Antworten

    Herr Wingenfeld sieht die Problematik nicht objektiv! Das wirft natürlich die Frage auf: ‚Warum?‘

    Könnte es sein, dass dieser ‚Plättungsversuch‘ ein gewisses ‚Dankeschön‘ für seine berufliche Stellung sein soll? Jedenfalls verkennt er mit seiner Einlassung die reale Situation des seit Jahren herrschenden Missstandes im Pflegebereich, wie er in nicht geringem Maß sogar in die Kriminalität führt, durch Maßnahmen zur Kompensierung von personeller Unterbesetzung in Pflegeeinrichtungen ( Fixierungen mechanischer wie auch chemischer Art, mit den bekannten Folgen; sehr oft ohne vorheriges Aufklärungsgespräch und ohne Zustimmung des zu Pflegenden oder dessen Betreuer); natürlich sind das Einzelfälle, wie jeder Fall einen Einzelfall darstellt, wenngleich jeder Einzelfall selbst bei tausenden ein Einzelfall bleibt. Diese Floskel ‚Einzelfall‘ kann hier nicht mehr ernsthaft die Situation bezeichnen. In seiner Doppelstellung in der ihn beschäftigenden Institution dürfte eine solche eingeschränkte Sicht nicht dem Anspruch auf Objektivität entsprechen. Theoretisch vergewaltigt er seine eigenen Erkenntnisse, so dass sich wiederum die Frage ergibt: „Warum?“

  11. Detlef Alsbach // 5. August 2014 um 00:24 // Antworten

    Tja, man mag es kaum glauben, wie ein Wissenschaftler zu solchen Aussagen und Fehlbeurteilungen kommt. ….
    Es scheint in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle zu spielen, ob im Fernsehen hin und wieder – leider viel zu selten – Berichte kommen, wie unsere Vergangenheit, also unsere betagten Angehörigen, in den Pflegeheimen oftmals dahinvegetieren. Es gibt heutzutage mehr Streiter für den Tierschutz als für unsere Angehörigen. Aber das Thema ist sehr unangenehm, deshalb lassen sich die Bürger nur allzu gerne „beruhigen“, dass die Missstände gar nicht da sind und es nur ganz selten zu Auffälligkeiten kommt. Die Bürgern glauben das wie die Lemminge. Und darüber bin ich so erschrocken. Die Bürger glauben es, weil man ansonsten mit der Wahrheit Verantwortung übernehmen muss. Und das will niemand. Wir schauen lieber weg und hoffen, dass der Kelch an uns vorüber geht. Aber das ist nicht so. Wir haben Verantwortung. Jetzt!!

    Würden die Medien und die Politiker soviel Aufmerksamkeit den Zuständen in der Altenpflege entgegenbringen wie sie es im Kampf gegen rechts machen, gäbe es kaum noch Missstände. In diesem Land werden viele Millionen zum Fenster rausgeworfen für Prestigeobjekte oder in Länder gepumpt, die gar nicht so leben wollen wie wir oder die eine andere Auffassung von Demokratie haben.

    Gerne würde ich den Damen und Herren Politikern und auch Klaus Wingenfeld zeigen, wie alte Menschen oft stundenlang im eigenen Kot liegen oder Hunger und Durst haben. Die Liste ist lang.

    Herr Wingenfeld, schämen Sie sich!!

  12. andrea hamacher // 5. August 2014 um 15:53 // Antworten

    Herr Wingenfeld sollte erst einmal von seinem Einhorn steigen und die Realität kennen lernen. Ich selbst habe in mehreren Heimen und einer „Anstalt“ gearbeitet und pflege jetzt, seit 17 Jahren meine schwerst, mehrfach behinderte Tochter. Gerne lade ich ihn mal ein halbes Jahr zu mir ein, damit der Mann eine Ahnung davon bekommt, was hinter dem Wort Pflege überhaupt steckt.

  13. Thorsten Meier // 7. August 2014 um 21:54 // Antworten

    Ein sehr guter Artikel, der die Zusammenhänge deutlich macht.
    Mich beschäftigt dabei die Rolle der Pflegewissenschaft. Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing – scheint hier wohl zu gelten. Dass herr Wingenfeld im Sinne seiner Auftaggeber argumentiert ergibt sich auch zwangsläufig aus seinen eigenen Forschungsergebnissen, die seit mindestens 15 Jahren die Misstände in der Pflege leugnen.
    Wirklich irritierend ist dabei aber, dass der Herr keinerlei Kritik oder Gegenwind aus der eigenen Zunft erfahren hat. Offensichtlich möchte es sich niemand mit dem Hauptauftaggeber verscherzen. Ich neige eigentlich nicht zu Verschwörungstheorien, hier stimmt aber etwas grundsätzliches im System nicht.
    Zum Schluß noch der Hinweis, dass Herr Wingenfeld auch für den neuen Pflegebegriff verantwortlich zeichnet. Dass sollte den zahlreichen Befürwortern eine Warnung sein.
    Ein ensprechendes Personalbemessungssystem liefert er auch noch mit. Das kommt überraschenderweise zu dem Ergebnis, dass eigentlich keine großen Veränderungen bei der Personalaustattung notwendig sind. Die Auftaggeber wird das freuen.

  14. Sabine Bätz // 14. August 2014 um 19:14 // Antworten

    Die Menschen – wohlgemerkt: M E N S C H E N!!!! in den Pflegeheimen LEBEN NICHT, SIE WERDEN GELEBT!!!! Das heißt, sie werden einfach BESTIMMT! Von freien Entscheidungen sind sie Lichtjahre entfernt – gehen sie in ein Pflegeheim, geben sie ihre Wünsche und Vorstellung von dem was LEBEN heißt mit der Unterschrift unter den Heimvertrag ab!

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