Pflegebedürftige vor dem „Hitzetot“ bewahren.

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Alljährlich wenn der Sommer die 30 Grad Marke überschreitet, erreichen uns Berichte aus Pflegeheimen, die es immer noch nicht geschafft haben, alle Fenster zur Sonnenseite mit Rollos auszustatten oder andere technische Vorkehrungen zu treffen, um eine Überhitzung der Bewohnerzimmer und Aufenthaltsräume zu verhindern. Ja, es gibt immer noch Pflegeheime, in denen aus Kostengründen kein Sonnenschutz nachgerüstet wurde. Jedes siebte Heim müsste im Sommer geschlossen werden, weil sich Bewohnerzimmer gefährlich aufheizen können.

Vor einiger Zeit berichtete der Ehemann einer Heimbewohnerin, wie er seine halbseitig gelähmte, bettlägerige Frau am Nachmittag beim Besuch im Pflegeheim vorfand. Die Sonne habe direkt auf ihr Gesicht geschienen. Sie sei völlig überhitzt gewesen und nicht ansprechbar. Er habe ihr ein nasses Handtuch um den Kopf gelegt und nach der Schwester geläutet, damit diese ihm helfe, seine Frau auf die andere Seite zu drehen. Nach einer gefühlten Ewigkeit sei eine Pflegerin gekommen, die selbst ein bemitleidenswertes Bild abgegeben habe. Denn in allen Räumen des Wohnbereichs sei es unerträglich heiß. Eine Kollegin hätte sich krank gemeldet und mit Kündigung gedroht, dabei würde doch jetzt gerade jede zusätzliche Hand gebraucht. Im letzten Jahr hätten sie schon ähnliches erlebt und das Versprechen gehört, Rollos an den Fenstern anzubringen.

Laut RKI-Schätzung habe es in diesem Jahr bereits rund 12.000 Hitzetote gegeben, erfahren wir aus den Nachrichten. Dies erinnert an die dramatisierende Berichterstattung zur Corona-Zeit, denn auch jetzt bleibt die Frage unbeantwortet, woran die sogenannten Hitzetoten tatsächlich gestorben sind. Nur sehr wenige dürften einen tödlichen „Hitzeschlag“ erlitten haben, wie man es leider immer wieder von Kindern oder Hunden hört, die bei hohen Temperaturen im Auto zurückgelassen wurden. Vermutlich werden auch die tödlichen Badeunfälle in den Sommermonaten den Hitzetoten zugezählt.

Abgesehen davon, dass es sich bei den angeblichen Hitzetoten um reine Schätzzahlen handelt und nicht um gemeldete, tatsächlich festgestellte Todesfälle, ist allgemein bekannt, dass Menschen mit Vorerkrankungen und pflegebedürftige Menschen weniger gut mit Hitze zurechtkommen, als gesunde Menschen. Wer sich selbst an einen kühleren Ort begeben kann oder durch Lüftung, Getränke, Kleiderauswahl und nasse Tücher behelfen kann, kommt mit den Temperaturen gut zurecht. Wer dabei jedoch Hilfe benötigt, die er nicht in ausreichendem Maße bekommt, für den kann die Hitze zu einer unerträglichen und totbringenden Qual werden. Das trifft vor allem auf bettlägerige Pflegeheimbewohner zu, die sich nicht einmal zur Seite drehen können, wenn die Sonne direkt ins Gesicht scheint. Vermutlich wäre die oben erwähnte Bewohnerin wenige Stunden später tot im Bett vorgefunden worden, hätte ihr Ehemann sie an dem Nachmittag nicht besucht. In diesem Falle hätte die Einrichtung jedoch mit Sicherheit andere Erklärungen für ihren Tod erfunden, um dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung durch unterlassenen Hitzeschutz zu entgehen.

Heime melden keine Hitzetoten, da dies einer Selbstanzeige wegen unzureichender Hitzeschutzmaßnahmen gleich käme.

Zumeist sind es Rettungsdienste, die Alarm schlagen, wenn in einem Heim auffallend viele Bewohner in lebensbedrohlicher Lage vorgefunden werden. In einem Heim in Dormagen mussten am 27. Juni 2026 10 Bewohner mit Verdacht auf Hyperthermie (Überhitzung) und Zustandsverschlechterung in die umliegenden Krankenhäuser transportiert werden. Für einen Bewohner kam diese Hilfe zu spät. In einem Heim in Krefeld waren fünf Bewohner in überhitzten Zimmern kollabiert, 40 Bewohner wurden mit Hilfe der Feuerwehr und Rettungsdienste in kühlere Räume verlegt. Am 29. Juni mussten sich Notärzte und Rettungsdienste um 80 Bewohner einer Einrichtung in Eisenberg (RLP) kümmern. Mehr zu diesen an die Öffentlichkeit gelangten Fällen finden Sie in den Links unter dem Artikel. Tatsächlich dürfte es sich bei diesen um die Spitze des Eisbergs handeln. Sterben nur zwei oder drei Bewohner an einem heißen Tag in der Einrichtung, kann die Ursache leicht vertuscht werden. Zumal bei Bewohnern, die keinen Besuch hatten, der, wie im oben genannten Falle die Folgen des fehlenden Hitzeschutzes sehen konnte. Wenn der Arzt einige Stunden später zur Leichenschau kommt, könnte er allenfalls an einem starken Sonnenbrand erkennen, dass betreffende Bewohnerin wohl deutlich zu lange der Sonne ausgesetzt war. Bewohner, die in überhitzten Zimmern dahindämmern und später nicht mehr aufwachen, sind laut Totenschein an ihren Vorerkrankungen verstorben. Nur sehr wenige Angehörigen fordern genauere Auskunft zu den Todesumständen oder gar eine Obduktion. Ob ein Mensch an Hyperthermie oder einer anderen Ursache gestorben ist, kann nur pathologisch festgestellt werden.

Angesichts der Qualen, denen ungezählte Pflegebedürftige in Einrichtung ausgesetzt sind, weil Hitzeschutzpläne nicht umgesetzt werden, sollte die Berichterstattung sowie die Forderung nach Abhilfe in diese Richtung zielen. Statt dessen werden die statistisch hochgerechneten „Hitzetoten“ jedoch dem Klimawandel zugesprochen. Klimaschutz-Aktivisten benutzen die vermeintlichen und vermeidbaren Hitzetoten für ihre ideologischen Klimaschutzziele. Neben den Pflegebedürftigen sind vor allem obdachlose Menschen bei Außentemperaturen um die 40 Grad gefährdet. Um diese vor Hyperthermie zu schützen, müssten die Städte Schutzräume vorhalten.

Nicht sommerliche Temperaturen bringen die Menschen um, sondern der fehlende Schutz vor Überhitzung oder eine nicht angepasste Medikation und Trinkmenge!

 

Tod durch Dehydration oder Medikation

Unser Körper versucht sich selbst durch Schwitzen vor Überhitzung zu schützen. Dabei kann in kurzer Zeit viel Flüssigkeit über die Haut ausgeschieden werden. Wird dieser Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen, kommt es zur Dehydration (Austrocknung). Diese macht sich unter anderem durch Benommenheit und Schläfrigkeit bemerkbar. Mit dem Schweiß werden auch Elektrolyte ausgeschieden, die eine wichtige Funktion im Stoffwechsel haben. Darauf sollten Getränkeauswahl und Ernährung abgestimmt werden. Ebenfalls wichtig ist eine entsprechende Anpassung der Medikation. Wenn beispielsweise ein Heimbewohner nach der Einnahme des ihm verordneten blutdrucksenkenden Medikamentes kollabiert, könnte das daran liegen, dass sein Blutdruck durch die Dehydration bereits sehr niedrig war. Im Grunde müssten die Ärzte von sich aus die Medikation während der Hitzewellen anpassen. Denn Pflegekräfte dürfen eigenmächtig nicht entscheiden, welche Mittel sie weglassen oder geringer dosieren. Auf jeden Fall jedoch sollten Pflegefachkräfte wie auch Angehörige darauf drängen, dass der Arzt die Medikation prüft. Die dritthäufigste Todesursache sind, so Dr. Gerd Reuther, Arzneimittelvergiftungen. Insbesondere die Multimedikation mit mehr als 5 verschiedenen Mitteln, die fast jeder pflegebedürftige alte Mensch erhält. Kommt dann noch Flüssigkeitsmangel hinzu, können die oft gleichzeitig verabreichten, verschiedenen Wirkstoffe zum Zusammenbruch und zum Tod führen. In diesen Fällen, sterben Menschen nicht an der Hitze, sondern an einer nicht angepassten Flüssigkeitszufuhr und der Medikation. Das steht so zwar auf keinem Totenschein, kann jedoch in allen Schulungsunterlagen zum Thema nachgelesen werden.

Aus der Praxis in der Alltagsbegleitung 

An einem der heißten Tage Ende Juni fand eine unserer Helferinnen die pflegebedürftige Frau M. in ihrem stockfinsteren Zimmer vor. Der Rollladen war bis zur letzten Ritze zu. Als die Helferin die Deckenleuchte anmachte, bekam sie einen Schrecken. Denn die alte Dame lag reglos im Bett. Vorsichtig ging sie zu ihr hin, berührte sie und sprach sie an. Da habe sie die Augen geöffnet, sei jedoch sehr benommen gewesen. Es habe eine gute Stunde gebraucht und mehrere Gläser Wasser, zu der die Helferin sie schluckweise ermuntern musste, bis Frau M. in der Lage war aufzustehen und mit ihr an einen kühleren Ort zu gehen. Da die Sonne inzwischen nicht mehr auf dem Fenster stand, habe sie den Rollladen hochgezogen.

Frau M. wäre nicht an der Hitze gestorben, sondern hätte an den Folgen der Verdunkelung und des Gefühls eingesperrt zu sein, sterben können. Der Pflegedienst hatte es mit dem Sonnenschutz übertrieben, ohne die negativen Folgen zu bedenken. Vielleicht wurde auch einfach nur vergessen, ein Licht anzumachen, so dass die demente Frau M. sehen konnte, wo sie sich befindet.

Wie dieses Beispiel zeigt, ist es nicht alleine mit Rollos getan. Diese sollten auch nicht den ganzen Tag über geschlossen bleiben, sondern dann wenn die Sonne auf der Fensterseite steht. Und sie sollten nur soweit herabgelassen werden, dass sich keine Hitze zwischen Rollo und Fensterscheibe staut, weil alle Ritzen zu sind. Da Heimbetreiber verpflichtet sind, hauseigene Hitzeschutzkonzepte vorzulegen, dürften mehr oder weniger durchdachte schriftliche Empfehlungen auch überall existieren. In der Praxis scheitert die Umsetzung regelmäßig jedoch an der viel zu knappen Personalbemessung. Um die zusätzliche Betreuung leisten zu können, wären in diesen Zeiten zusätzliche Hilfskräfte erforderlich. Auch Angehörige müssten sich angesprochen fühlen – die Mutter, den Vater oder die Oma, den Opa häufig zu besuchen und sich aktiv einzubringen. Das gilt auch für die häusliche Pflege. An heißen Sommertagen braucht jeder Mensch, der sich nicht alleine um Abkühlung bemühen kann, entsprechend mehr Unterstützung. Sei es durch Angehörige oder Nachbarn oder durch Alltagsbegleitung wie sie das HelferNetz-daheim anbietet.

Hitzeschutz in der stationären Pflege

Ein Hauptgrund für den unzureichenden Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen ist die fehlende Verbindlichkeit der hausinternen Hitzeschutzkonzepte. Ein Konzept, das nur auf dem Papier existiert, schützt allenfalls die Heimleitung.

In Deutschland sind Heime verpflichtet ein Hitzeschutzkonzept zu erstellen. Als Richtlinie dient z.B. der hessische Hitzeschutz-Leitfaden.  Auf 28 Seiten wird dort alles Wesentliche übersichtlich und verständlich beschrieben. Auf dieser Seite der AOK finden außerdem pflegende Angehörige und in der häuslichen Betreuung tätige, wichtige Informationen.

An guten schriftlichen Konzepten und am guten Willen scheitert der Hitzeschutz in Einrichtungen nicht. Da all diese vielen wichtigen und richtigen Maßnahmen jedoch von Menschen durchgeführt werden müssen, können die Konzepte nur soweit umgesetzt werden, wie tatsächlich helfende Hände zur Verfügung stehen. Schaut man sich jedoch die durchschnittliche Personalbesetzung in Einrichtungen an, kann jeder sofort erkennen, dass es mehr als doppelt so vieler Mitarbeiter bedarf, um jedem Bewohner in allen Punkten gerecht werden zu können.
In diese Konzepte müssten zwingend Ehrenamtliche und Angehörige einbezogen werden. Die Einrichtung muss intern dafür sorgen, dass während Hitzeperioden in jedem Wohnbereich 2-3 zusätzliche Hilfskräfte sind. Eine Art Notfallteam, das in regelmäßigen Schulungen Basiskenntnisse erwirbt und z.B. über eine Ehrenamtspauschale vergütet wird.
Wie auch immer. Da es in jedem Sommer wenigstens eine Hitzeperiode von mehreren Tagen geben wird, kann personell  rechtzeitig bzw. vorausschauend Vorsorge getroffen werden. Kurzfristig erst dann genügend Leute zu suchen, zu finden und zu schulen, wenn die heißen Tage da sind, hat in der Vergangenheit nicht funktioniert und wird auch in Zukunft nicht funktionieren.

Schuld an den sogenannten Hitzetoten ist nicht der Klimawandel. Es liegt in unserer Verantwortung als Angehörige oder Dienstleistende dafür zu sorgen, dass hilfe- und pflegebedürftige Menschen diese kurzen Phasen im Jahr unbeschadet überstehen.

Adelheid von Stösser,  Pflegeethik-Initiative Deutschland e.V.,  August 2026


Links zum Thema

Großeinsätze in NRW: Seniorenheim-Bewohner kollabieren wegen Hitze – n-tv.de  (Dormagen und Krefeld

Hitze in RLP: Wie gut sind Kliniken und Pflegeheime vorbereitet? – SWR Aktuell

Musterhitzeschutzplan-Pflege-stationaer.pdf

 

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