Essverweigerung und Corona-Hungerstreik

Seit die Corona-Verordnungen den Alltag und das Miteinander  in Pflegeeinrichtungen erschweren, hören wir von Bewohnern, die ihrem Leben dadurch ein Ende setzen wollen, dass sie die Nahrung verweigern. In nahezu allen Berichten aus der Zeit des totalen Lockdowns, wird eine starke Zunahme von Depression bei den Bewohnern beschrieben. Da diese keine andere Möglichkeit haben, der Unerträglichkeit zu entfliehen, verweigern sie die Nahrung und auch das Trinken.  Von den 15 Betreuten, die der Rechtsbetreuer Martin Kusch  während der Zeit in Einrichtungen unterbringen musste, haben sich 3 erfolgreich suizidiert. Bei zwei weiteren konnte dies im letzten Moment verhindert werden.

Nun ist erstmals eine Angehörige  in den Corona-Hungerstreik getreten.

Aggi Dunkel, hatte sich in der Vergangenheit mehrfach an alle möglichen Stellen und auch an unseren Verein gewandt und die unerträgliche Lage beschrieben.  Seit Mitte März, darf sie ihrer Mutter in der Einrichtung nicht nahe sein.  Mit Abstand und Maske kann ihre sehbehinderte Mutter  die  Tochter jedoch nicht erkennen.  Die Mutter habe sehr abgebaut in der Zeit, aber das interessiere auch niemanden.  Für das Heim  gebe es nur ein Ziel: Keine Corona-Infektion.

Hungerstreik — so etwas kennen wir sonst nur aus Diktaturen oder aus Gefängnissen mit unzumutbaren Haftbedingungen. Die Nahrung zu verweigern, ist stets ein Ausdruck äußerster Verzweiflung, wenn jemand meint, gegen unerträgliche Zustände nur auf diese Weise aufbegehren zu können, weil kein anderes Mittel geholfen hat. Nun, in Deutschland, dem Vorzeigeland der „freien Welt“, werden alte Menschen teilweise „gehalten“ wie Häftlinge — oder schlimmer. Wegen Personalmangels — auch aufgrund vieler Quarantänefälle — werden HeimbewohnerInnen weggesperrt, auf ihren Betten fixiert, vernachlässigt und von ihren Angehörigen getrennt. Das ist meist nicht die Schuld der einzelnen, überforderten Pfleger, sondern eines brutalen Systems. Viele Senioren sterben auf diese Weise vor der Zeit — eine Schande für eine Regierung, die ihre rigiden Corona-Maßnahmen gerade durch Rücksichtnahme auf Alte und Schwache begründet hat.
Aggi Dunkel

Sehen Sie hier Aggi Dunkel   im Interview mit Jens Lerisch von Rubikon

Artikel auf Rubikon:  Der Corona-Hungerstreik 

Seit 14 Tagen hungert Frau Dunkel jetzt.   Selbst mein Argument, dass  derzeit jeder der die Corona-Maßnahmen zu kritisieren wagt, als Persona non grata angesehen wird, konnte sie nicht umstimmen.

 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*